Erstmals in der 319-jährigen Geschichte predigt ein evangelischer Bischof bei der Festwoche.

 

Zum ökumenischen Gottesdienst hatte die evangelische Kirchengemeinde aus Hirschau zusammen mit Pfarrvikar Christian Preitschaft eigeladen und die Wallfahrer kamen in Scharen. War der Gottesdienst vor einigen Jahren noch mangels Beteiligung abgeschafft worden, kam er nun mit umso größerer Wucht zurück.

 

Das hatte natürlich auch seinen Grund, denn der evangelische Pfarrer Stefan Fischer hatte mit der Einladung des Festpredigers nicht gekleckert, sondern geklotzt und gleich einmal den ehemaligen evangelischen Regionalbischof des Kirchenkreises Ansbach-Würzburg und Prior des evangelischen Klosterkonvents Kloster Heilsbronn, Christian Schmidt gewinnen können. Da waren wohl viele gespannt, was ein evangelischer Bischof in einer katholischen Marienwallfahrtskirche zu sagen hat. Auch das musikalische Gestaltungselement war mit dem Dekanatsposaunenchor unter der Leitung von Kurt Lehnerer, sowie Sebastian Brandl an der Orgel bestens besetzt. Schmidt stellte die Frage, was dem Leben Sinn und Bestand gebe. Macht, Geld und Sex seien von sich aus nichts schlechtes, ganz im Gegenteil könnten sie etwas sehr Schönes sein, wenn damit verantwortungsvoll umgegangen werde. Dies könne aber nicht der Sinn des Lebens sein, weil diese Dinge alle endlich seien. Der tiefste Sinn liege wohl für alle Christen darin, dass Gott uns ein unvergängliches Geschenk in Jesus gemacht habe. Dieses Geschenk haben alle Christen in der Taufe empfangen. Deshalb gehörten wir Christen unterschiedlicher Traditionen schon längst zusammen, oder wie Bischof Paul-Werner Scheele gern zu sagen pflegte: „In der Ökumene gehe es nicht um Wiedervereinigung sondern um Weitervereinigung.“ Die Einheit, die uns bereits geschenkt sei, solle immer wieder sichtbar werden, so wie heute auf dem Mausberg. Mehrfach applaudierten die anwesenden Gläubigen dem Bischof. Der Gottesdienst wurde von evangelischer Seite noch von Pfarrer Heinrich Arwick (Ammersricht( und Pfarrer Joachim von Kölichen (Paulanerkirche), sowie von katholischer Seite von Antony Joseph (Vertretung in Ammersricht), Pater Alfred Lindner SDB (Ensdorf) und Pfarrvikar Christian Preitschaft mitgefeiert.

 

Pfarrer Fischer freute sich ebenso wie alle anderen über den gelungenen und überaus gut besuchten Gottesdienst und kündigte bereits eine Wiederholung für das Mausbergfest 2020 an. Dabei sollte dann ein hochrangiger Katholik die Predigt übernehmen. Auch hier konnte Fischer bereits mit Fakten aufwarten und verkündete stolz, dass dann der Ökumenebeauftragte und Ökonom des Bistums Eichstätt, Domkapitular Wolfgang Hörl bereits sein Kommen als Festprediger zugesagt habe.

 

Für sein Kommen und die ansprechende Predigt bedankten sich Pfarrer Stefan Fischer (links) und Pfarrvikar Christian Preitschaft (rechts) beim ehem. evangelischen Regionalbischof Christian Schmidt (mitte) auch mit einer leiblichen Stärkung

Bild: Wolfgang Schöpf